1600 - Kultureller Umbruch im Schatten des Thera-Ausbruchs?

Tagungsband des 4. Mitteldeutschen Archäologentags 2011

Nachdem bei den vergangenen drei Archäologentagen jeweils eine archäologische Teildisziplin im Mittelpunkt stand, wurde in diesem Jahr erstmals eine spezielle Thematik der Vorgeschichte aufgegriffen und unter verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet. Im interdisziplinären Diskurs konferierten unter anderem Vulkanologen, Klimatologen und Archäologen über die Eruption des Thera/Santorini in der Mitte des 17. Jh. v. Chr., die möglichen klimatischen Auswirkungen des Ausbruchs sowie deren eventueller kultureller Folgen in Europa.

Die kulturellen Umbrüche im ostmediterranen Raum um 1600 v. Chr. werden seit Längerem mit dem bekannten Ausbruch des Vulkans auf Thera/Santorini, der sog. Minoischen Eruption, in Verbindung gebracht. Im Rahmen der Tagung wurde diskutiert, ob die in vielen Regionen Europas zu dieser Zeit feststellbaren kulturellen Umbrüche möglicherweise auch durch klimatische Veränderungen bedingt sein können und ob diese eventuell durch Vulkaneruptionen, wie etwa den genannten Thera-Ausbruch, verursacht wurden.

Die erste, naturwissenschaftliche Sektion befasste sich mit dem Ausbruch des Vulkans auf Thera und dessen unmittelbaren Folgen, wie beispielsweise der Tsunami-Welle, die als Langzeitfolge wahrscheinlich den Niedergang der minoischen Welt auf Kreta zu verantworten hat. In welchem Ausmaß diese und weitere vorgeschichtliche Eruptionen das überregionale Klima beeinflussten, wurde zum Beispiel durch die Betrachtung von alpinen Klimaindikatoren, Pollenprofilen und den daraus resultierenden Klima-Modellierungen versucht zu erörtern.

In der zweiten Sektion wurde ein archäologischer Transekt durch Europa gelegt, um einen eventuellen kulturellen Wandel oder entsprechende Kontinuitäten in den einzelnen Fundregionen zu beleuchten. Betrachtet wurden ausgehend vom unmittelbaren Umfeld des Thera/Santorini verschiedene Regionen Süd-, Mittel- und Westeuropas. Für die Zeit von ca. 1650 bis 1550 v. Chr. wurden die archäologischen Zeugnisse der jeweiligen Kulturen - gegliedert nach Siedlungswesen, Grab- und Hortfundsitte - vorgestellt. Aufgrund der vergleichenden Datenbasis konnte die Frage nach dem Phänomen eines kulturhistorischen Wandels um 1600 in Europa diskutiert werden.

Den Bezug zwischen der Thematik 1600 und dem mitteldeutschen Raum bildet vor allem der Hortfund von Nebra. Dieser verdeutlich die nicht zu unterschätzende Bedeutung der Zeit um 1600 v. Chr. für  Mitteldeutschland. Das Datum markiert mit dem Ende der Frühbronzezeit auch das vorläufige Ende der Hortfundsitte, deren prominentestes Beispiel mit Sicherheit die Niederlegung der Himmelsscheibe und ihrer Beifunde auf dem Mittelberg bei Nebra darstellt.



H. Meller/F. Bertemes/H.-R. Bork/H. Meller/R. Risch (Hrsg.), 1600 - Kultureller Umbruch im Schatten des Thera-Ausbruchs? 4. Mitteldeutscher Archäologentag vom 14. bis 16. Oktober 2011 in Halle (Saale). Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle 9 (Halle [Saale] 2013). 613 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen.

Titel

Titel: 1600 - Kultureller Umbruch im Schatten des Thera-Ausbruchs?

Autoren: H. Meller/F. Bertemes/H.-R. Bork/H. Meller/R. Risch (Hrsg.)

Erscheinungsdaten

Erscheinungsdatum: Oktober 2013

Verlag: Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle

ISBN: 978-3-944507-00-2

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Buch-Cover © Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle